Eben bin ich aufgestanden – es ist Mitternacht – weil ich nicht schlafen kann. Zu viele Gedanken sind in meinem Kopf. Erinnerungen ploppen auf. Faden wieder ab. Heute morgen habe ich noch in mein Tagebuch geschrieben, wie mächtig stolz ich bin, auf die, die ich kommendes Jahr sein werde. Denke, dass ich ganz schön ermutigt bin.
Ich bin kein Adler im Hühnerstall, denke ich. Stolpere über den Gedanken. Heißt es nicht „Ein Adler im Hühnerstall sein“? Liegt die Ermutigung nicht eigentlich darin, zu erkennen, dass ich ein Adler im Hühnerstall bin? Ein Adler, der entdeckt, dass er fliegen kann?
Ich erinnere mich an dieses Festival. Es ist Sommer. Gute Musik, kühles Bier, viel Alternatives, Kunsthandwerk, ein Markt, Campen, gemeinsames Essen. Ich kann da guten Gewissens hin, auf dieses christliche Festival. Finde Workshops und Bibelstunden genauso, wie Raves, Leute, die drauf sind und andere, die ihre Kids abends mit zum Tanzen nehmen. (Muss bisschen lachen drüber, aber es ist echt ein gutes Festival!)
Und dann fällt mir mehr ein. Zwischen einigermaßen unekligen Dixieklos, Stechmücken und Oropax, bin ich unglücklich verliebt, damit beschäftigt, mich nicht durch mein Asperger Syndrom vom Leben abhalten zu lassen. Ich habe meinen Glauben dekonstruiert, mich frei gekämpft von all den unguten und missbräuchlichen Strukturen, deren Teil ich viele Jahre lang gewesen war.
Und dann sitze ich in diesem Zelt, in einem Vortrag von einer Missionarin, die erzählt, wie sie ihren Mann kennen gelernt hat. Kleiner Erinnerungssprung: Ich finde mich am Ende des Seminars wieder und mir sagt eine Person, dass sie ein metaphorisches Bild von mir hat, mit gestutzen Flügeln in meinem Rücken. Stümpfen quasi. Und dass sie sieht, dass die nachwachsen. Explodierender Kopf Emoji.
Adler im Hühnerstall.
Weißt du, ich bin mir nicht mal mehr sicher in welchem Jahr das war – es verschwimmt, aber das Bild von mir und den gestutzten Flügeln hat sich eingeprägt.
Und jetzt, eine Sekunde später, jetzt gerade, in diesem Moment, an meinem Esstisch, nachts um zehn nach zwölf, denke ich: Das Bild stimmt nicht mehr – Flügel wachsen nach!
Ein paar Jahre später. Wieder ein Erlebnis mit einem Vogel, einem Raben. Raben sind riesige Viecher und einigermaßen intelligent, wie ich hörte. Dieser eine Rabe, erschien mir nicht sooo helle – keine Ahnung, was sein Problem war, er oder sie hielt es jedenfalls für notwendig, mich auf meiner Verkehrsinsel in der Ulmer Innenstadt zu attackieren. Alle Fußgängerampeln rot, Miri in der Mitte, um sich herum mehrere dreispurige Straßen und ein Rabe stürzt auf sie herab.
Erst war ich leicht irritiert, als er dann aber ein zweites und ein drittes Mal auf mich niederstürzte, war’s echt nicht mehr witzig. Mein Gedanke: Mach dich groß. Und so tanzte ich, mit den Armen rudernd auf der Verkehrsinsel herum, schrie den Vogel an und rannte dann, auf die Straße – Ampel wurde grün. Weg von diesem Vieh. Hat mich richtig verscheucht. Das Revier verteidigt. (witziger Moment übrigens, wenn du so komplett ausrastest um dich zu schützen und es dir vollkommen egal ist, was die Menschen um dich rum denken.)
Von wegen Adler 😀
Es ist nicht leicht ein Vogel zu sein, mir reicht es einen zu haben.
Gleichzeitig denke ich an den Raben und daran, dass ich mein Revier nicht verteidigen will. Früher vielleicht. Heute nicht mehr. Ich finde meine Nischen, die Fleckchen Lebenswelt, die zu mir gehören sollen und dürfen und wollen, mehr und mehr.
Merke das Vertrauen, dass an Stellen einfach da ist, an denen ich sonst Panik geschoben habe. In der Suche nach neuen Schauspielproduktionen. Als Partnerin für frische Naturkosmetik und -supplements. Als Trau- und Trauerrednerin. Auf Social Media.
Man sagt das immer so „Vertrau einfach“ oder „Lass los“. Dass das aber passiert, merkst du erst, wenn du dich um eine Sache einfach nicht mehr kümmerst und ich meine das buchstäblich. Kommt „kümmern“ von „Kummer“?
Es ist mir nicht egal, was mit meiner Schauspielkarriere passiert. Aber ich höre auf mich darum zu kümmern, dass Menschen meine Leistung anerkennen, mit denen ich gar nicht zusammen arbeiten will.
Ich will, dass andere Menschen auch von den Vitalstoffen profitieren, die mir so krass helfen, aber ich will mich nicht darum kümmern, Menschen davon überzeugen zu müssen. Entweder du willst das oder eben nicht. No problem.
Seit knapp fünf Jahren sind Martin und ich ein Paar. Und noch nie musste ich mich darum kümmern ihn zu überzeugen, mit mir verpartnert zu sein. Wäre die mega Red Flag, gell?
Wieso sind wir in unserem Job so versessen darauf Menschen von etwas zu überzeugen, das sie einfach nicht wollen?
Adler im Hühnerstall: Versucht er andere Hühner davon zu überzeugen, dass sie auch Adler sind? Nein. Ein Adler lernt zu fliegen. Lernt seine Angst, in Wissen über Winde zu verwandeln und erfährt, Absprung für Absprung mehr Glücksgefühl, mehr Rausch, mehr Zufriedenheit, sicheres Ankommen und Balance. Und DAS sehen die Adler-Hühner.
Jetzt ist 00.30 und ich bin immer noch wach. Trinke Kräutertee. Und schreibe dir, was es so Neues gibt:
Auch in diesem Jahr spiele ich wieder Krimidinner. In zwei Produktionen. Ich mache die Erfahrung, dass es einfach Spaß macht. Interaktion, Stimmung hochziehen, Comedy und Kreativität. Ich liebe es, mir Sidekicks zu überlegen, den Text lebendig werden zu lassen, Spannung aufzubauen und zu spüren, wie erwartungsvolles Schweigen einkehrt oder wimmelndes Rätseln, wenn der Fall gelöst werden soll.
Ich mags, Menschen einen unterhaltsamen und witzigen Abend zu bescheren und fahre in der Regel selber happy nach Hause.
Ende Dezember hatte ich die Möglichkeit bei der Uraufführung von Tamara Bopparts Stück „Kreuzweise“ auf der Explo 25 in der Swiss Life Arena in Zürich dabei zu sein. Welch eine faszinierende Freude die Figur Maria von Nazareth genauer unter die Lupe zu nehmen und eine mögliche Ehrlichkeit ihrer Person auf die Bühne zu bringen.
Nicht weniger spaßig wird’s nächste Woche: Ich drehe eine Runde in Köln, für Constantin Entertainment.“. Das ist das zweite Mal, dass ich in diesem Format dabei bin.
Ich weiß, was mich erwartet. So ein Drehtag läuft üblicherweise relativ durchgetacktet ab. Da es früh losgeht, werde ich vom Hotel zum Studio gebracht, checke ein, werde durch Kostüm und Maske geschleust – alle sind sweet und routiniert, das ist super entspannt. Dann gibt ein Briefing oder den Vordreh, je nach dem, verkabelt werden alle kurz davor und dann wird die Verhandlung gedreht. Das passiert mit mehreren Kameras gleichzeitig, also so gut wie am Stück – im Grunde wie ein Theaterstück. Unterbrochen wird nur bei großen Schnitzern, sollte jemand einen massiven Texthänger haben oder irgendwelche Logikfehler auftauchen.
Und das war’s dann auch. Essen gibt am Set, mjam und dann gibt’s noch eine Spritztour zum Bahnhof und auf geht’s wieder nach Hause.
Ich habe an sowas ja echt Spaß 😊
Fühlt sich null an wie Arbeit, so ein Tag. Vielleicht, weil die eigentliche Arbeit davor passiert.
Unter Tags bin ich übrigens viel zuhause.
Die Zeit nutze ich für Content Creation, alles Organisatorische, Pattformpflege, Bewerbungen, Abrechnungen und aktuelles Material, außerdem die Koordination von Traureden und Vorgesprächen. Und natürlich für meine Ringanapartnerschaft.
In diesem Jahr wird 1x pro Monat, am Dienstag, ein online „FreshDate“ stattfinden, für alle Interessierten. Kostenlos, informativ und niederschwellig über Zoom. Wenn du mal dabei sein willst, gib einfach Bescheid.
Für jede NeupartnerIn, die in ein Team einsteigt, verabrede ich ein 1:1 Onboarding Gespräch. Wir besprechen alles sehr genau, damit du dich sicher und sprachfähig fühlst in deinen nächsten Steps, bezüglich deiner eigenen Haltung und der Ringanawerte.
Leider gibt es immer wieder Menschen, die schlechte Erfahrungen mit Personen aus dem Multilevelmarketing machen und das soll bei uns natürlich nicht passieren. Weder mein Team, noch Ringana möchte das.
Wenn dich das genauer interessiert, klick mal auf den Link, den ich dir hier einfüge, da findest du eine extra Beschreibung für dich.
So, jetzt werde ich langsam müde und setze zur Landung an. Ich hoffe, dass du dich gut fühlst!
Weißt du, ich glaube, viel mehr von uns Menschen, sind Adler im Hühnerstall und wissen es noch nicht. Oder wissen es und müssen sich erstmal das Fliegen beibringen. Und hey: Ob du zuerst das Flattern übst, oder einfach irgendwo runterspringst… fliegen kann man auf vielerlei Art lernen!
Wie eine Bekannte ganz empört zu mir sagte, nachdem ich Zweifel äußerte, ob man das so machen kann:
„Du bist Künstlerin! Du kannst das so machen, wie du das für richtig hälst!“
Also, ihr Hühnchen, Adler und (Lebens)Kreative da draußen: Du bist Künstler:in!
Hab einen sicheren Start ins neue Jahr, die Woche, den Monat,
deine Mirjam
P.s: Zu Workshops und Businesscoachings habe ich an dieser Stelle nicht geschrieben – melde dich gerne, wenn du Fragen dazu hast.
